Big Data revolutioniert das Gesundheitswesen

In unseren vorhergehenden Blogeinträgen waren vielfach Gefahren und Risiken Thema. Aber natürlich bietet Big Data auch viele Chancen. So zum Beispiel im Gesundheitswesen. Dieses verändert sich durch die Analyse vorhandener Datenberge. Die Datenanalyse im Gesundheitswesen hat allerdings keine so lange Tradition wie in anderen Bereichen, zumal die Daten bis vor kurzen nur physisch in den Patientenakten vorhanden waren und der grösste Teil der Daten persönlicher Natur sind. Auch geändert hat sich, dass sich in den letzten Jahren viele Spitaler zu Spitalnetzen zusammengeschlossen haben und nun eine gemeinsame Datenbasis haben, die ausgewertet werden kann.

Eine besondere Form einer grossen Datenbasis bietet PatientsLikeMe. PatientsLikeMe ist eine Plattform auf welcher sich Patienten die an Krankheiten wie ALS, AIDS oder Krebs leiden anmelden und anschliessend ihre persönlichen Krankheitsbilder dokumentieren können. Nebst voranschreiten der Krankheit und Anhäufen von Symptomen werden auch die genommenen Medikamente und Therapieformen verzeichnet. Ziel der Plattform ist es aber nicht, Krankheitsverläufe aufzuzeichnen und zu erforschen sondern den Austausch von Patienten und den Austausch von persönlichen Erfahrungen bei Krankheiten zu fördern. Die Datenanalyse dient einzig und alleine dazu, die Wirksamkeit von Medikamenten und Therapien aufzuzeigen und allenfalls Fehler in der medizinischen Versorgung zu erkennen. Gegründet wurde PatientsLikeMe 2004 von Benjamin und James Heywood und Jeff Cole, nachdem 1999 beim Bruder von Benjamin und James, Stephen, ALS diagnostiziert wurde. Stephens Krankheitsverlauf wurde akribisch aufgezeichnet (PatientsLikeMe 2005-2014).

 

Bei der Datenanalyse gelangen PatientLikeMe auch grosse Erfolge. Als zum Beispiel 2008 eine wissenschaftliche Studie erklärte, dass die Einnahme von Lithium den Verlauf von ALS verlangsamt, begann PatientsLikeMe mit der Analyse der Daten der verzeichneten ALS Patienten. Da sowohl Personen angemeldet waren, die Lithium einnahmen, wie auch Personen, die auf die Einnahme von Lithium verzichteten, hatte PatiensLikeMe zwar eine kleine aber repräsentative Datengrundlage von 348 Krankheitsverläufen. Durch die Entwicklung eines speziellen Tools zur Datenanalyse dieser Krankheitsbilder konnte die Wirkung von Lithium bei ALS wiederlegt werden, da sichtbar wurde, dass die Krankheit nicht durch die Einnahme von ALS verlangsamt werden kann (Wicks et al. 2011).

Selbstverständlich hält Big Data aber auch Einzug in die „reale“ Medizin. So bietet zum Beispiel das Basler Unternehmen MolecularHealths die Möglichkeit mittels Genanalyse eine individuelle Analyse der Krebstherapien, bei denen die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, dass sie Wirkung zeigen. Das mühsame ausprobieren sämtlicher Therapieformen entfällt somit (MolekularHealth 2014).  Oder Dr. Carolyn McGregor und ihr Forschungsteam vom Institute of Technology der University of Ontario, die in Zusammenarbeit mit IBM und mehreren Krankenhäusern ein Programm entwickeln, welches bei der Betreuung von Frühgeborenen helfen soll. Eingebaut wird ein Frühwarnsystem, welches Komplikationen erkennen soll, bevor diese für den Menschen bemerkbar sind. So fand das Ärzteteam bereits heraus, dass wenn sich die Vitalfunktionen eines Frühgeborenen stabilisieren oftmals später eine schwere Infektion folgt. Dies ist ein Zusammenhang, der ohne die Analyse von hunderten von Datensätzen nie erkannt worden wäre, wiederspricht er doch völlig dem Bauchgefühl eines jeden Mediziners (Mayer-Schönberger 2013, S. 79-80).

Natürlich gäbe es noch dutzende weitere Beispiele für die Anwendung von Big Data im Gesundheitswesen und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. Viele Verfechter von Big Data sehen in der Zukunft eine vollkommen individuelle Gesundheitsversorgung für jeden Menschen und Krankheiten, die bereits ausgemerzt werden können, bevor sie entstehen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter weg.

(Autorin: N. Christen)

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3 Antworten zu Big Data revolutioniert das Gesundheitswesen

  1. Pingback: Linktipps der Woche: Nachfrage nach Arbeitskräften stabil, ein Gefängnisarzt gewährt Einblicke und eine neue Abteilung für die Deutsche Telekom | Zukunft Gesundheitswesen

  2. Mirjam schreibt:

    Hat dies auf quantifiedselfblog rebloggt und kommentierte:
    Ein toller Post zum Thema Gesundheitsdaten und PatientsLikeMe

  3. Pingback: Wie wir (versuchten) unsere Kommilitonen in Sachen Big Data zu Schulen | About Big Data

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