Wie Daten unser Leben widerspiegeln oder weshalb das BÜPF uns alle betrifft

In den vergangenen Beiträgen haben Sie einiges über Privatsphäre und Überwachung erfahren. Heute wurde nun erstmals eine Visualisierung publiziert, die aufzeigt, wie aus sechs Monaten Vorratsdatenspeicherung und der Verknüpfung von öffentlich zugänglichen Daten von Facebook und Twitter ein Kommunikationsprofil einer Person zusammengestellt werden kann.

Glättlis Leben auf der Landkarte

Die gemeinsame Aktion von der Digitalen Gesellschaft Schweiz (DigiGes), Watson, Schweiz am Sonntag und Arte zeigt das Kommunikationsverhalten von Nationalrat Balthasar Glättli. Grundlage der Visualisierung auf einer Landkarte bilden die Telekommunikationsdaten des Providers von Glättli. Provider sind in der Schweiz verpflichtet, während sechs Monaten alle Verbindungs-, Verkehrs- und Rechnungsdaten ihrer Kunden zu speichern. Glättli ist in den sozialen Medien sehr aktiv und daher wurden auch die Aktivitäten in Facebook und Twitter mit in die Visualisierung eingebaut (DigiGes und Watson 2014). Das Ergebnis ist bemerkenswert! Begleitend zur virtuellen Landkarte gibt es auf Watson viele interessante Berichte zum Thema (Watson – BÜPF). Mehr Hintergründe zum BÜPF und der der Visualisierungsaktion finden sich auch auf der Webseite der Digitalen Gesellschaft Schweiz.

Das BÜPF betrifft uns alle

Über ein halbes Jahr lässt sich verfolgen, wann Balthasar Glättli mit wem kommuniziert hat und wo er sich zum Zeitpunkt der Kommunikation gerade befand. Die selben Informationen werden von uns allen für sechs Monate gespeichert, auf Vorrat und ohne begründeten Verdacht. Falls der Nationalrat dem Entscheid des Ständerates folgt, wird es künftig sogar auf ein Jahr verlängert (siehe auch BÜPF – Wird die Schweiz zum Überwachungsstaat?).

Dass die Überwachung auch Unschuldige treffen kann und hierfür nur zwei nicht offensichtlich suspekte Wörter genügen, zeigt die Geschichte von Andrej Holm. Holm wurde 2007 mit der Begründung verhaftet, Kopf der terroristischen Gruppierung „Militante Gruppe“ (MG) zu sein, die seit 2001 diverse Brandanschläge im Grossraum Berlin verübt hatte. Zur Verhaftung geführt hat eine Google-Suche mit den Wörtern aus den Bekennerschreiben und eine intensive Überwachung während eines Jahres von Holm und seiner Familie. Holm, der sich als Soziologe in Berlin wissenschaftlich mit dem Thema Stadtentwicklung beschäftigt, benutzte in seinen Texten öfters Begriffe wie „Gentrifizierung“ und „Prekarisierung“. Dass diese auch von der MG benutzt wurden, wurde im zu Verhängnis. Wer mehr zu dieser Geschichte erfahren möchte sei der Beitrag Dr. Holm kennt böse Wörter aus der Wochenzeitung WOZ und der Podcast von SWR 2 Und plötzlich bis zu Terrorist empfohlen.

(Autorin: E. A. Maurer)

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