Die Polizei weiss, was du tun wirst

In den USA gehört es bereits heute zur Tagesordnung, dass die Polizei ihre Arbeit mit Hilfe von Algorithmen erledigen, welche berechnen, wo welches Verbrechen statistisch gesehen am Wahrscheinlichsten ist. Jeder Polizist trägt ein Tablet-Computer auf sich, auf welchem sich ein Ortsplan befindet, auf welchem wiederum in kleinen Quadraten angezeigt wird, in welcher Strasse welche Verbrechen am wahrscheinlichsten sind. Dieses Programm nennt sich PredPol. Predictiv Policing PredPol ist in Los Angeles und Santa Cruz bereits im Einsatz. Laut Müller (2013) nahm die Anzahl der Festnahmen in der Polizei von Santa Cruz seit der Einführung von PredPol um 65% zu.

Bekämpfung von Gewaltdelikten mittels Big Data ist aber auch in Europa ein Thema. Die EU hat zu diesem Zweck das Projekt INDECT ins Leben gerufen. INDTECT hat sich als Slogan „For the Security of Citizens“ auf die Fahne geschrieben. So befasst sich das Projekt mit der Entwicklung und Erprobung von Pragrammen, die dabei helfen sollen, die Kriminalbekämpfung zu automatisieren. Dabei wird aber betont, dass die Technik nur als Unterstützung dienen soll und der Mensch immer noch Entscheidungsträger bleibt. In erster Linie soll INDECT der Polizei helfen, Taten wie Autodiebstähle und Einbrüche zu verhindern, Terrorismus zu bekämpfen und Kinderpornografie zu verhindern. Diese Schwerpunkte sind nicht zufälligerweise gewählt. Der Diebstahl von und aus Autos sowie Einbrüche gehören zu den häufigsten Delikten in Europa. Terrorismusbekämpfung und Kinderpornografie lassen sich mittels Überwachung von Internethandlungen am einfachsten Voraussagen resp. Entdecken (Plone Fondation 2000-2014).

Datengrundlage von INDECT sind die Daten, die im Internet vorhanden sind, Videos von Überwachungskameras und sonstige Daten, die über Personen verfügbar sind. INDECT betont aber, dass das Projekt nicht zur Überwachung der Bürger sondern zur Förderung der Sicherheit ebendieser dienen soll. INDECT ist allerdings eine zeitlich beschränkte Arbeitsgruppe, die ihre Forschungsergebnisse voraussichtlich in diesem Jahr präsentieren sollte (Plone Fondation 2000-2014).

Auch in der Schweiz ist der Einsatz von Big Data bei der Bekämpfung von Kriminalität nicht auszuschliessen. Die Kantonspolizei Zürich testet seit November 2013 ein Programm, dass Einbrüche Voraussagen kann (Brunner 2014). Ergebnisse dieser Versuche sind bisher noch nicht bekannt.

Abschliessend einen kleinen Exkurs, wohin die Anwendung von Big Data in der Sicherheitsbranche führen könnte. Statt wie üblich an George Orwells 1984 bedienen wir uns aber einem aktuellen Kinofilm – Marvels „Captain America – the Winter Soldier“. Hydra, das Böse in diesem Film will all diejenigen ausschalten,  die der Organisation gefährlich werden können. Wer das ist, wird mittels Rechnungen, Vergangenheit, Internetverhalten usw. automatisch berechnet. Natürlich gelingt es Captain Rogers rechtzeitig den Tod von hunderten von Millionen Menschen zu verhindern, das beklemmende Gefühl, dass unsere Sicherheit eines Tages in ähnlicher Weise gesteuert wird bleibt aber.

(Autorin: N. Christen)

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5 Antworten zu Die Polizei weiss, was du tun wirst

  1. hdzimmermann schreibt:

    Offenbar denkt auch die Kantonspolizei St. Gallen hierüber nach, sie nennen es Crowd Management. An der 7. Ostschweizer Innovationstagung wurde darüber berichtet.

  2. Pingback: Big Data – mehr als eine Zukunftsvision | About Big Data

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