Privatsphäre im Zeitalter von Big Data

Nichts zu verbergen? Dann müssen wir uns ja auch nicht über den Schutz unserer Privatsphäre unterhalten. Und doch ist es das Geheimnisvolle, das unsere Mitmenschen für uns interessant macht. Wenn wir uns etwas vertiefter mit Geheimnissen und Privatsphäre auseinander setzen, merken wir plötzlich, dass wir doch nicht alles über uns einfach so aller Welt preisgeben möchten. Jeder Mensch hat eine unsichtbare, für sich individuell und unbewusst festgelegte Grenze, wie Nahe man Familie, Freunde oder Fremde an sich heran lassen möchte. Die Grenze in der digitalen Welt ist wohl bei den meisten von uns etwas weiter gezogen, als im direkten Kontakt. Es scheint uns vielleicht auch nicht bewusst zu sein, dass wir auf unsere Grenze in der digitalen Welt achten sollten.

Die Privatsphäre ist kein Thema, dass uns erst seit der weltweiten Vernetzung durchs Internet, den NSA-Enthüllungen oder dem Bekanntwerden der Sammelwut von Grosskonzernen beschäftigt. Und doch sind wir in vielerlei Hinsicht auf einer neuen Stufe angelangt. Musste die Staatssicherheit (Stasi) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) noch viele Arbeitsstunden für das Abhören von Telefonaten, das Beschatten und das Lesen der Korrespondenz einplanen, so gibt es heute Server, Software, Kameras, Dronen und Algorithmen, die die Auswertungsarbeit erheblich erleichtern und verkürzen. Doch nicht nur Regierungsorganisationen loten unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung mit den neuen Technologien die Grenzen unserer Privatsphäre aus. Ohne grosse Bedenken teilen wir selbst Gedanken, Erlebnisse und Persönliches in der digitalen Welt. Es werden aber auch immer mehr Daten von uns erhoben (siehe auch „Woher stammen die Daten für Big Data„). Unternehmen wissen, wie diese Informationen abgefangen, gespeichert, verknüpft und für Marketing und Absatzsteigerung eingesetzt werden können. Nicht vergessen darf man die so genannte Cyber-Kriminalität. Diese geht längst weiter als Kreditkartenbetrug und Vireninfektion. Die Trennung von digitaler und „realer“ Welt verschwindet schlagartig, wenn dank einer Mitteilung aus den Ferien auf Facebook, die Wohnung von Einbrechern problemlos leer geräumt werden kann.

Für Payton & Claypoole (2014, S. 1) ist die Privatsphäre entscheiden für den Schutz und die Stütze der vielen Freiheiten und Verantwortlichkeiten, die wir in einer Demokratie haben. Privatsphäre, das heisst auch Menschenwürde, das Recht auf Anonymität und Schutz vor Nötigung. Damit die Privatsphäre nach wie vor verteidigt werden kann, braucht es gemäss Payton & Claypoole eine gesellschaftliche Diskussion und weltweit gesetzliche Regulierungen und Vorgaben hinsichtlich:

  • der Datensammlung (Was darf gesammelt werden?)
  • der Datenspeicherung und -nutzung (Wie lange werden die Daten gespeichert und wer hat Zugriff auf die Daten?)
  • der Fälle, in denen die Daten nicht genutzt werden dürfen

Weshalb wir uns mit Privatsphäre beschäftigen müssen, wird im TED-Talk von Alessandro Acquisti (siehe unten) eindrücklich belegt. Letzten Endes bleibt es aber in der Verantwortung jedes einzelnen seine Privatsphäre so zu schützen, wie es die persönliche Grenze benötigt. Nützliche Ratschläge hierzu liefern unter anderem das hier zitierte Buch von Payton & Clay „Privacy in the Age of Big Data“ (siehe Quellen) und die Webseite datenfresser.info.

(Autorin: E. A. Maurer)

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