Big Data ist ethisch neutral – Big Data Anwendungen sind es nicht

Big Data ist ethisch neutral. Big Data besitzt nicht per se ein Wertsystem, welches über richtig und falsch entscheidet. (Davis 2012, S. 8-9) Ethische und moralische (Wert-)Vorstellungen sind den Menschen eigen und dazu im höchsten Grad individuell. Jede Person besitzt eine eigene Vorstellung davon, was ethisch vertretbar ist und was nicht. Technischen Anwendungen wie Big Data fehlen diese Wertvorstellungen. Big Data aber betrifft Menschen – und Menschen haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was „richtig“ und „falsch“ ist.

Davis ist der Meinung, dass wir unsere Wertvorstellungen überdenken müssen, wollen wir Big Data im grossen Stil betreiben. Aber auch, dass sich Firmen und Regierungen bewusst sein müssen, dass hinter den Daten Menschen stehen und diese keineswegs frei von ethischen Grundsätzen sind. Für den Umgang mit Big Data sieht es Davis (2012, S. 11) daher als unumgänglich, einige Begriffe neu zu definieren. Er bezieht sich allerdings nicht ausschliesslich auf Big Data, sondern um den Umgang mit Daten im Allgemeinen.

Rechte und Interessen

Das Recht auf Privatsphäre sieht Davis als veraltetes Konzept an. Denn ein Recht ist allgemeingültig und unumgänglich. Bei einer strickten Auslegung der Privatsphäre wäre es bei einem medizinischen Notfall nicht möglich, dass der Arzt Informationen über die frühere Krankengeschichte erhält, geschweige denn, diese mit der Krankenschwester teilt. Dieser Informationsaustausch kann aber durchaus wichtig sein und ist sicherlich auch gewünscht. Daher ist „Recht auf Privatsphäre“ der falsche Begriff. Davis sieht „Interesse auf Privatsphäre“ als passender, da er Rechte als starke und absolute Interessen ansieht. (Davis 2012, S. 11)

Persönliche Daten

Vielfach wird im Zusammenhang mit Big Data von „Persönlich identifizierenden Daten“  gesprochen. Davis bevorzugt „Persönliche Daten“. Persönliche Daten beinhalten sämtliche Daten, die durch Menschen generiert werden.

Diese Begriffe sieht er als Grundlage, um Ethik überhaupt diskutieren zu können. Die Ethik um Big Date wiederum teilt er in folgende vier Begriffe, welche durch den Wandel der Technik ebenfalls im Wandel sind. (Davis 2012, S. 11)

Identität

Unsere Identität beinhaltet simpel wer wir eigentlich sind. Diese Identität beinhaltet mehrere Facetten. In der realen Welt werden diese Facetten selten zusammengefasst. Big Data ermöglicht genau diese Zusammenfassung der Facetten, ohne dass wir die Zusammenführung fördern oder ihr zustimmen. (Davis 2012, S. 16)

Privatsphäre

Zur Privatsphäre stellt Davis (2012, S.17-18) zwei grundlegenden Fragen:

  • Bedeutet Privatsphäre im Internet dasselbe, wie Privatsphäre in der offline Welt?
  • Sollen individuelle Personen eine legale Möglichkeit besitzen, zu kontrollieren, welche Daten über sie im Umlauf sind?

Diese Fragen lässt er im Raum stehen. Als oberstes Ziel sieht er, das Gleichgewicht zwischen Big Data-Innovationen und den Gefahren zu finden, die dann entstehen, wenn immer mehr Informationen mit einem immer grösseren Umfeld geteilt werden.

Ansehen

Das Internet hat die Art und Weise geändert, wie wir Menschen wahrnehmen. Früher konnten wir nur von Menschen in unserem Umfeld wahrgenommen werden und ihre Meinung von uns durch unser Verhalten steuern. Durch das Internet können sich wesentlich mehr Menschen eine Meinung von uns bilden. Die Art und Weise wie wir im Internet wahrgenommen werden, können wir heute grossenteils nicht mehr steuern, da wir nicht steuern können, welche Daten von uns gesammelt werden, während wir im Internet sind. (Davis 2012, S.18)

Eigentum

Davis sieht Eigentum als eines der Themen an, die noch gründlich diskutiert werden können. Die Frage in wie weit uns unsere eigenen Daten gehören ist auch in der offline Welt nicht klar. Ist das Wissen um das eigene Gewicht Besitz des einzelnen Menschen? Sind unsere Daten durch unsere blosse Existenz etwas an dem wir so etwas wie ein Copyright besitzen? (Davis 2012, S. 19)

Oder wem gehören die Daten sonst? Nehmen wir zum Beispiel die Daten, die durch den Gebrauch von einem Handy entstehen. Gehören diese Daten dem Mobilfunkbetreiber, demjenigen der die Grundlage für die Kommunikation legte (also z.B. Whatsapp, Apple usw) oder gehört Sie der Person selbst? (Davis 2012, S. 36)

Trotz all dieser Fragen: Big Data ist ethisch neutral. Die Firma / Person / Regierung die hinter Big Data steht ist es nicht. So steht es im Ermessen des jeweiligen Betreibers von Big Data zu entscheiden, wie wichtig ihm der „ethische“ Umgang mit den Daten ist. Die oben genannten Fragen können durch die Gesellschaft oder individuelle Personen beantwortet werden. Was daraus gemacht wird, liegt nicht in unserer Hand. Und genau darin sieht Davis das Problem. Vielfach ist es einfacher, ethische Diskussionen zu umgehen. „After all, it’s easier to ask for forgiveness than permission, right? And if you don’t ask the questions, you’re not responsible for not having the answers.“ (Davis 2012, S. 20)

(Autorin: N. Christen)

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